Wir starteten in Lübeck mit dem Vorhaben viel zu laufen und wenn möglich viel wild zu campen. Natürlich ohne die Natur zu zertrampeln oder etwas zu hinterlassen. So frei und unabhängig durch den Tag und die Landschaft tingeln, immer an der Ostsee entlang.
Von Lübeck aus zogen wir zunächst nach Travemünde und mit der Fähre rüber nach Priwall.
Die Rucksäcke gepackt mit Zelt, Kocher, Vorräten und damit mit je ca. 13/14kg beladen. Gar nicht so leicht...
Die ersten Kilometer waren wunderbar. Tolle Strände, schöne Wälder, genau das richtige Wetter. Herrlich.
Nach einiger Zeit trafen wir auf einen kleinen Stand namens "Kuchenfeuer". Leckere, teils vegane Kuchen auf dem Grill in Gläsern gebacken. Eine super Geshäftsidee und sehr lecker wie wir fanden.
Die Landschaft weiterhin sehr schön aber die Rucksäcke immer schwerer stoppten wir in einem kleinen Dorf (Warnkenhagen), auf der Suche nach Wasser. Wir trafen auf ein sehr nettes Paar, das uns mit Wasser versorgte und uns einen Tipp gab für einen Schlafplatz an einem abgelegenen Strand an der Steilküste. Es war der beste Platz den wir uns hätten wünschen können.
Am nächsten Morgen kam das Paar mit dem Rest der Familie nach uns schauen und wir plauderten noch ein bisschen. Sehr nette Menschen. Danke für die tolle Begegnung.
An dem Tag wurde mir klar dass es keine gute Idee gewesen war so geizig (oder wie ich es gerne nenne "sparsam") gewesen zu sein, denn meine Schultern beschwerten sich. Mein von meiner besten Freundin geliehene aber so schöne Rucksack war für maximal 12kg gedacht. Mit viel Wasser dabei lagen wir wohl nun bei rund 15kg.
Also krochen wir voran bis nach Boltenhagen und suchten uns einen guten Schlafplatz.
Auch hier trafen wir wieder sehr nette und hilfsbereite Menschen. So durften wir unser Zelt vor dem Gartentor eines älteren Ehepaars aufschlagen, um ein wenig geschützt zu sein.
Sonntag war Regentag und wir nahmen den Bus nach Wismar und vertrödelten die Zeit im Burger King um Akkus zu laden und zu trocknen.
Dann folgte die Schlafplatzsuche und die wohl gruseligste Nacht unseres Lebens. One night in Wismar...
Wir waren noch wach und draußen war es gerade dunkel, als wir eine Art Schreien oder Bellen beziehungsweise eine Kombi daraus hörten. Erst recht leise und dann gefühlt hinter unserem Zelt. Dann weg...
Wir entschieden uns zu bleiben und abzuwarten, kurz nach dem Einschlafen wurden wir aber wieder davon geweckt und hatten richtig Schiss. Füchse kannten wir schon und hörten ihn auch in der Ferne, kein Problem. Ein Kautz war auch unterwegs, auch kein Ding. Aber DAS? Ein Wildschwein? Ein gequälter Hund der wegrannte? Nichts Gutes jedenfalls. Rennt es uns das Zelt ein oder greift an? Rennt es weg vor uns oder ruft es seine Kumpanen? Hat es Angst oder ist es aggressiv?
Richtig richtig gruselig.
Das Ganze wiederholte sich noch einmal kurz vor Sonnenaufgang und dann trauten wir uns zu googeln.
Die Antwort ist dass es ein Reh ist. Man nennt das Geräusch das sie machen Schrecken oder auch Bellen. Und sie tun es weil sie potentielle Feinde sehen, riechen oder hören und davor warnen.
Googelt das mal. Im Zelt im Dunkeln unglaublich unheimlich!
Wenn man sie, wie wir, ein paar Tage später dann dabei beobachtet wie sie sich vor uns erschrecken, dann seine Kumpels warnen und anschließend elegant über die Wiese weghüpfen ist es ein ganz anderes Bild...
So, kurze Übersicht noch wie es weiterging, sonst wird das hier ein Roman. Von Wismar (mit neuem Rucksack für mich) ging es auf die Halbinsel Poel. Schön, wenn man sonst in der Stadt lebt, aber genauso schön wie die Strände zwischen Priwall und Boltenhagen.
Zurück nach Wismar und in den Zug nach Rerik. Hat uns sehr gut gefallen.
Am nächsten Tag ging es zu Fuß nach Kühlungsborn und mit der Dampflok "Molli" noch ein Stück weiter nach Heiligendamm.
Danach wanderten wir über Nienhagen nach Warnemünde und fuhren am Abend noch ein Stück weiter nach Rostock.
Eine Nacht Hostel gönnten wir uns dort mit der Idee, dass es ja mal eine ruhige Nacht werden könnte. Sonst kam immer ein bisschen Angst dazu. Was, wenn uns einer sieht, was, wenn ein Mensch oder Tier kommt...
Die Nacht im Hostel war leider richtig übel. Sehr seltsame sehr betrunkene Leute, die nichts von Nachtruhe hielten. Also wieder raus in die Natur und Freiheit.
Jeden Abend wenn wir eine gute Stelle fanden waren wir überzeugt, dass dies eine ruhige Nacht werden würde. Wir wurden oft überrascht. Eine Nacht das gespenstische Bellen, eine Nacht Regen und mit Kopf und Beinen auf den Rucksäcken, damit sie mit ins Zelt passen (blaue Säcke um die Rucksäcke draußen zu lagern sind die Antwort) , eine Nacht Sturm und die Sorge weggeweht zu werden und eine Nacht stundenlang Gewitter mit einem richtig lauten Knall direkt über uns.
Aber das Zelt ist zur Zeit unser Zuhause und irgendwie fühlen wir uns trotzdem wohl und sicher darin. Es bietet uns Schutz vor Menschen, Tieren, Wind und Wetter und hält sogar Sturm und übelsten Gewitter-Regennächten stand. Und das sind auch die Dinge über die wir oft sprechen und uns Gedanken machen. Wo und wie wollen wir heute schlafen? Wie findest du diesen oder jenen Platz usw. usw. Ihr seht, wir beschäftigen und viel mit den Fragen rund um's Schlafen aber auch Essen.
Ansonsten bestimmt das Wetter oft unsere Pläne und Routen, aber auch Tipps von Menschen denen wir begegnen. Und wir treffen sehr oft Menschen die uns Fragen stellen und interessiert sind. Ein sehr nettes Paar aus Gronau empfahl uns zum Beispiel nach Barth zu fahren und von dort aus Fischland-Darß-Zingst zu erkunden. Die Leute seien dort so nett.
Und genau so war es. Ein netter junger Mann bot uns für unsere zweite Nacht in Barth seinen Garten an und der sehr sympathische Fahrradverleiher bewahrte unser Gepäck auf, drückte uns je ein Fahrrad und ein Radler in die Hand und wünschte uns einen schönen Tag.
Wir haben uns jetzt entschieden den Menschen immer freundlich zu begegnen, egal wie sie uns ansprechen oder auf uns reagieren. Es klappt bislang ganz gut. Doofe Leute ignorieren uns und mit den netten kommen wir fast immer in richtig gute Gespräche inklusive Tipps und natürlich guter Wünsche. Wie schön!
Und nun? Wir hatten Lust auf noch mehr Meer und Strandtag nachdem uns die Halbinsel Fischland-Darß mit den Stränden und dem Nationalpark echt umgehauen hat.
Und nun? Wir hatten Lust auf noch mehr Meer und Strandtag nachdem uns die Halbinsel Fischland-Darß mit den Stränden und dem Nationalpark echt umgehauen hat.
Also sind wir vorgestern nach Rügen gefahren mit dem Gedanken: Wir machen das einfach. Wir können machen was wir wollen.
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